Festspiele lassen Kassen klingeln?

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BAYREUTH. Sorgen die Festspiele für eine belebtere Innenstadt, profitieren Einzelhandel und Gastronomie? Der Geschäftsführende Direktor der Bayreuther Festspiele, Holger von Berg, meint, die Stadt nütze nicht ausreichend das Potenzial, das die Festspiele und ihre Besucher bieten. Er sei verwundert, mit welcher Hingabe Parkplätze am Festspielhaus für Busse auswärtiger Hotels freigegeben werden. „Ist es im Interesse der Stadt, dass die Gäste am Festspielhaus vorgefahren werden und unmittelbar nach der Aufführung mit dem Bus in ihre Hotels zurückkehren?“, fragt von Berg.

Die Bayreuther Festspiele sind alljährlich das touristische Glanzlicht. Das Publikumsinteresse an den Aufführungen ist wie immer hoch, aber bescheren die Gäste den Gastronomen und Einzelhändlern mehr Umsatz? Wir haben nachgefragt.

Thomas Wenk, u. a. Oskar, Liebesbier: Während der Festspielzeit herrscht für mich ein internationales Flair, das mir gut gefällt. Besonders mittags und nachmittags haben wir deutlich mehr Frequenz als außerhalb der Festspielzeit. Die Ansprüche der Gäste haben sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Früher sind die Opernfreunde nach der Aufführung sogar noch 20 oder 30 Kilometer nach Pegnitz oder Muggendorf gefahren, um ein Mehr-Gänge-Menü zu genießen. Heute will der Gast meist lediglich einen Snack oder einen Salat. Da ist es oftmals unrentabel, ein komplettes Team ab 22 Uhr in der Küche arbeiten zu lassen.

Engin Gülyaprak, Engin’s Ponte: Gerade im Tagesgeschäft spüren wir die Anwesenheit der Festspielbesucher, gleichwohl die Gäste rein optisch nicht immer gleich auszumachen sind. Früher sind Opernbesucher bereits im Abendkleid oder Smoking ins Lokal gekommen, um vor der Oper noch etwas zu essen. Das kommt jetzt nicht mehr vor. Ich habe gehört, dass manche Kollegen aus organisatorischen Gründen, nach den Vorstellungen, nicht mehr sämtliche Gerichte der üblichen Speisenkarte anbieten. Heuer werden zudem außer „Rheingold“ nur die langen Opern aufgeführt.

Isabel Belka, Center-Managerin Rotmain-Center: Wir können eine höhere Frequenz feststellen. Ob dies nur an den Festspielen liegt, oder auch an der Ferienzeit, ist schwer einzuschätzen. Spezielle Geschäfte profitieren nicht von der höheren Frequenz, durch unseren interessanten Mietermix profitieren alle Mieter.

Astrid Kwias, Fabio: Auf jeden Fall sorgen Festspielgäste für mehr Frequenz. Die Bayreuther sind jetzt, so glaube ich, zahlreich im Urlaub. Wir stellen jedoch kein Sommerloch fest, im Gegenteil. Kunden von auswärts interessieren sich für reduzierte Sommerware, aber auch die neue Kollektion ist bereits gefragt. Es kommt auch vor, dass die bestehende Abendgarderobe durch ein Accessoire aufgepeppt wird.

gmu

Bild: Sorgen Festspielgäste im Sommer für mehr Frequenz in der Innenstadt?              
Foto: Munzert