Wer wird Bayreuther SPD-Landtagskandidat?

SPD-Landtagskandidatur

BAYREUTH. Wer kandidiert für die SPD im Stimmkreis Bayreuth bei den Landtagswahlen im Herbst 2018? Nachdem Landtagsabgeordneter Dr. Christoph Rabenstein nach 20 Jahren Parlamentstätigkeit nicht mehr für das Maximilianeum kandidiert, bewerben sich Thomas Bauske, Irene von der Weth und Halil Tasdelen um dessen Nachfolge. Die Entscheidung fällt bei der Nominierungsversammlung am kommenden Samstag, 18. November, um 10 Uhr, im ASV-Sportheim in Pegnitz. Wir stellen im Vorfeld die Bewerber vor.

Thomas Bauske ist Oberstudienrat am Bayreuther Graf-Münster-Gymnasium und Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion Bayreuth. Bauske hat erst kurz einen Wahlkampf hinter sich, im Wahlkreis Kulmbach bewarb er sich um das Bundestagsmandat und holte dabei rund 16 Prozent der Erststimmen – ein, wie er selbst sagt, nicht wirklich zufriedenstellendes Resultat, aber eine gute Vorbereitung auf einen möglichen Landtagswahlkampf.

„Ich habe das Bundestagswahlergebnis aus dem Stand erzielt, hatte im Wahlkreis Kulmbach, der im Bamberger Bereich bis an die Grenze von Unterfranken reicht, keinen Namen. Bei der Landtagswahl würde man mich aber jetzt durchaus kennen und ich hätte die Chance, nicht nur im Landkreis Kulmbach, sondern auch im Lichtenfelser und Bamberger Bereich überdurchschnittlich viele Zweitstimmen zu bekommen. Da bei der Landtagswahl Erst- und Zweitstimmen der Bewerber in ganz Oberfranken zusammengezählt werden und die Listen so durch die Wähler veränderbar sind, hätte ich sehr gute Chancen, Platz drei auf der oberfränkischen Liste, hinter den beiden arrivierten Abgeordneten Inge Aures und Klaus Adelt, zu erreichen und so selbst bei einem hoffentlich so nicht kommenden mageren SPD-Ergebnis von unter 20 Prozent sicher in den Landtag einzuziehen. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass Bayreuth das Landtagsmandat sicher hat, wenn ich aufgestellt werde“, zeigte sich Bauske gegenüber der Bayreuther Sonntagszeitung sehr selbstbewusst.

Seine Themenschwerpunkte im Landtag sieht Bauske in der Stärkung des ländlichen Raumes. Investitionen in Schulen, mehr Bildungsgerechtigkeit und weniger strikte Trennung der Schularten unmittelbar nach der vierten Jahrgangsstufe seien nötig. Als gutes Modell bezeichnet er die Hollfelder Gesamtschule.

Daneben muss der Breitband-Netzausbau verstärkt werden. Nur über Glasfaserkabel könnten Projekte wie „Arbeit 4.0“ und die weitere Digitalisierung auch im ländlichen Raum gelingen. Außerdem müsse alles dafür getan werden, dass die Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung alt werden können. Hierzu gehört eine gute Landarztversorgung und die flächendeckende Betreuung zu Hause durch Sozialstationen.

Irene von der Weth ist Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Oberfranken und engagiert sich in der Kommunalpolitik als Gemeinderätin in Weidenberg. „Ausschlaggebend für meine Kandidatur war, dass Amtsinhaber Dr. Rabenstein nicht mehr kandidiert. Ich wollte schon länger politische Arbeit machen, jetzt ist die Zeit reif dafür“.

Irene von der Weth will ihre umfassenden beruflichen Erfahrungen im Bereich Soziales und Familien sowie bei der Mitarbeit in von der Staatsregierung eingesetzten Arbeitskreisen jetzt „gestalterisch direkt in die Politik einbringen“.

Eines ihrer Lieblingsthemen ist die Barrierefreiheit in Städten und Gemeinden. Hier müssten zu den vorhandenen Angeboten weitere und spezifischere Fördermittel ausgereicht werden. Nur so könnten sich die Kommunen auf die Folgen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft einrichten.

Bildung ist laut Irene von der Weth noch immer zu sehr vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Die Modalitäten für das BAföG sollten zudem überarbeitet werden. „Unterricht ist heute zu sehr von Frontalbeschulung geprägt. Die auf dem Arbeitsmarkt erwarteten Tugenden lernen die Schüler so nicht. Gerade bei Ganztagsschulangeboten ist mehr Partizipation und Mitgestaltung der Schüler erforderlich“.

Auch Erfahrungen aus ihrem kommunalpolitischen Engagement will Irene von der Weth im Maximilianeurm einbringen – zum Beispiel zum Thema Straßenausbaubeitragssatzung. „Straßen sind Allgemeingut. Es ist nicht zu beweisen, dass Anlieger Straßen, für die sie zahlen sollen, auch wirklich kaputt gemacht haben. Hier ist dringend eine gesetzliche Neubewertung vonnöten“, so die Kandidatin.

Zu ihren Chancen, tatsächlich als Landtagskandidatin gewählt zu werden, gibt sie sich völlig unvoreingenommen. „Es entscheiden die Delegierten in einer demokratischen Wahl“. Sollte es zur Nominierung reichen, ist sie zuversichtlich, angesichts ihres Bekanntheitsgrades durch ihre berufliche Tätigkleit auch auf der oberfränkischen SPD-Liste so weit vorne zu landen, dass es für einen Sitz im Maximilianeum reicht.

Halil Tasdelen ist Personalreferent der Firma Markgraf sowie Stadtverbandsvorsitzender der SPD Bayreuth und Stadtrat. Bereits 2012 bewarb er sich um die Landtagskandidatur und holte damals aus dem Stand gegen Amtsinhaber Dr. Christoph Rabenstein rund 40 Prozent der Delegiertenstimmen. Er will sich im Falle seiner Wahl nicht nur für die Stadt, sondern vor allem auch für eine gute Entwicklung des Umlandes einsetzen. Die in den Kommunen viel diskutierte Straßenausbaubeitragssatzung empfindet Halil Tasdelen als ungerecht. Hier sei der Freistaat Bayern in der Verantwortung. Es könne nicht sein, dass die Gemeinden verpflichtet werden, „den Geldeintreiber zu spielen und in Extremfällen Hausbesitzer in den Ruin zu treiben“. In der Bildungspolitik möchte der Bewerber das Duale Ausbildungssystem stärken. Es müsse nicht jeder eine Universität oder Fachhochschule besuchen. Es müsse aber auch dafür gesorgt werden, dass die Jugendlichen in den Schulen, aber auch durch das Elternhaus besser auf die Ausbildung vorbereitet werden. Der Stellenwert des Schulsports müsse wieder steigen. Hinsichtlich des Glasfaserkabel-Ausbaues sei Deutschland ein Entwicklungsland. Die Infrastruktur des Landes müsse durch entsprechende Investitionen auf hohem Stand erhalten bleiben. „Dass ich mich für die Integration von Migranten einsetze, ist natürlich selbstverständlich“.

Hinsichtlich seiner Chancen, nominiert und letztlich auch in den Landtag gewählt zu werden, gibt sich Halil Tasdelen zuversichtlich. „Ich war mein ganzes Leben ein Kämpfer, seit ich mit zehn Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und kein Wort Deutsch sprach. Ich habe mich nach bester sozialdemokratischer Tradition in der schulischen Bildung, im Beruf, aber auch in der Politik hochgearbeitet. Bei meinen beiden Wahlen in den Stadtrat wurde ich jeweils deutlich auf der Liste nach vorne gewählt. Wenn ich als Kandidat gewählt werde, werde ich einen Wahlkampf aufziehen, wie man ihn bisher noch nicht gesehen hat. Die SPD muss bei den Landtagswahlen deutlich über 20 Prozent der Stimmen erhalten und dafür werde ich mich in Verantwortung für die Partei einsetzen. Als Landtagsabgeordneter will ich auch dafür kämpfen, dass die SPD in Bayreuth bei den Kommunalwahlen 2020 eine Renaissance erlebt und zehn Stadtratssitze plus x holt“.

rs

Bild: Thomas Bauske, Irene von der Weth und Halil Tasdelen (von links) bewerben sich um die Landtagskandidatur für die SPD im Stimmkreis Bayreuth.
Fotos: Roland Schmidt